DIE OMAMA IM APFELBAUM

Das Buch "Die Omama im Apfelbaum" ist 1965 das erste Mal erschienen. 

 

Mira Lobes Klassiker schlechthin.

 

Inhalt: 

Der kleine Andi besucht die Volksschule.

In seiner Klasse ist er das einzige Kind, das keine Großmutter mehr hat, er leidet darunter, wenn er einen treffen will, dass der eine seiner Kameraden mit der Oma Ringelspiel fahren geht am Nachmittag und daher für ihn keine Zeit hat und ein anderer ebenso keine Zeit hat, weil seine Oma aus den USA angereist ist, die ihn mit "Hallo Bob" begrüßt, weil sie Amerikanerin ist und er Robert heißt.

 

Andi ist ein Bub mit enormen Leseschwächen wohnt in einem Einfamilienhaus am Rande Wiens (ich konnte das bereits 1975 verifizieren, da der Mann mit der roten Nase im Autodrom im Wiener Prater steht, eine Figur, die eine Melone am Kopf und einer Zigarre im Mund hat, Anm. PTS) mit seinen Elter und den beiden älteren Geschwistern, Christl und Jörg (wenn der Vater streng mit ihm redet heißt er Georg). 

Andi hätte gerne eine Omama.

Neben seinen Geschwistern hat er noch Goldfische und Bello, den Hund.

 

Seine Schwester möchte auch gene in einem Reitstall helfen, als weiblicher Stallbursche, damit sie gratis reiten kann, Georg ist altersgemäß ein aufgeweckter Bursch und der kleine Andi äußert bei Tisch, dass er lieber eine Großmutter hätte, worüber die älteren Geschwister nur den Kopf schütteln.

Die Mutter verspricht Andi vor dem Schlafen gehen, mit ihm, am nächsten Wochenende den Rummelplatz zu besuchen, aber Andi ist ganz trautig, weil ihn niemand verstehen will. 

 

Also verlangt er von seiner Mutter so lange über seine Oma zu erfahren, bis sie ihm ein Foto seiner einen Omama - ein lustiges Bild mit einer Dame mit Blumenhut und bunten Federn in einem schwarzen Kleid und Strumpfhosen und Locken am Kopf am Klavier aufstellt, eines, wo die Großmutter selber als junge Frau als alte Oma verkleidet war.

 

Andi prägt sich so lange das Foto seiner Oma ein, bis sie auch vor seinen geschlossenen Augen erscheint und dann klettert er in den Apfelbaum und phantasiert sich eine gemeinsame Fahrt in den Prater mit Ringelspiel, Autodrom, Würstel und gesponnen Zucker (Zuckerwatte), retour in der Straßenbahn zieht die Oma absichtlich an der Klingelschnur, als die Schaffnerin herbeieilt und eine Strafe verhängen will, schwindelt sie einen nahenden Sturz vor.

 

Am nächsten Tag fahren sie mit einem Phantasieauto in die Prärie und fangen sich Pferde mit Lasso ein und  noch einen Tag später reisen sie auf Piratenjagd mit einem Hochsee-Schiff. 

 

Dazwischen erzählt er immer wieder beim Nachtmahl von seiner Oma, sowohl von den Eltern erntet er aber im Wesentlichen nur Unverständnis als auch von den älteren Geschwistern, vor allem vom Bruder, nur Spott und Hohn.

Nur als er fragt, was "Piraten" sind, gerät der Bruder derart ins Schwärmen, dass ihn der Vater ermahnend droht, vom Tisch zu verweisen, wenn er sich nicht in seinem Gehabe mässigt. 

 

Am Tag, als er wieder im Baum sitzend als Matrose seiner Oma unterwegs ist, unterbricht ihn eine Stimme mit "He, Kleiner!" und ein Möbelpacker steht vor dem Apfelbaum, der ihm in mürrischen Ton und eher unfreundlich nach dem Nachbarhaus fragt und wie er dort hinein gelangt. 

Andi will nicht so wirklich runterkommen, als jedoch eine freundliche alte Dame ihn ersucht, wie man zum Schlüssel des Nachbarhauses gelangt und ihn fragt, ob er will, dass sie die Nacht auf der Straße verbringen soll, klettert er dann doch herunter und fragt die ansonstens unfreundliche Nachbarin, Frau Säuberlich, von seinen Geschwistern und ihm nur "Frau Säuerlich" genannt, nach dem Schlüssel, damit er dem Möbelpacker das Gartentor aufsperren kann.

 

So lernt er die Nachbarin, eine Witwe, Frau Fink kennen, der er behilflich ist, er gewöhnt sich so sehr an die freundliche Nachbarin, dass er der alleinstehenden Dame, deren Enkelinnen im fernen Kanada leben und die ihm bald gesteht, sich ihre Enkelkinder öfters herbeizuphantasieren an und hilft ihr beim Einrichten der Wohnung, erledigt Einkäufe und wird so zu einem insgesamt durchaus freundlichen Kind, weil ihn Frau Fink rät, wie ein Indianer durch das Stiegenhaus zu schleichen, so dass sich sogar Frau Säuberlich ein wenig an ihn gewöhnt, da er ja jetzt viel öfters im Nachbarhaus zu Besuch ist.

 

Ebenso einmal, als Bello, der Hund der Familie Andis ein Paar Socken unter das Bett schleift und dort derart zerbeisst, dass auch Frau Fink diese nicht mehr stopfen kann, stattdesen wird aus einem ein Sparstrumpf, der andere ganz weggeworfen (ein diskreter Hinweis, dass Kinder ihr Gewand selbständig einräumen sollen von der ab 1958 alleinerziehenden Autorin des mit einigen Preisen für Kinderliteratur ausgezeichneten Werks).

 

Zwar vernachlässigt Andi zunehmends die dem Werk den Namen gebende Phantasie-Oma, Frau Fink, die ihm auch Zwetschenkuchen, in Wien Zwetschkenfleck genannt, bäckt und auch auf die Veranda seiner Eltern hinstellt und sich bedankt, wie brav er ist, ermahnt ihn aber, dass er doch sowohl sie als auch seine Phantasie-Oma nebeneinander haben kann. 

 

In dem Buch setzt Hildegard Mirjam Rosenthal, 17. 9. 1913 in Görlitz, Deutschland, verstorben 1995 in Wien, ab 1935 nach Palästina ausgewandert (ihr erstes Werk, "Die Insel Pu" erschien 1948 übrigens auf Iwrith - Neu-Hebräisch ) und nach Umwegen über die BRD, die DDR und dann ab 1957 dann mir ihrem Mann, Friedrich Lobe, dann in Wien wohnhaft,  ein stilles Denkmal für die Enkelkinder der Schoah-Ermordeten.

 

Darüberhinaus gilt ebensot, dass die ab dem Schlaganfall-Tod ihres Mannes, den Theatermann Friedrich Lobe im November 1958, sehr zeitig Witwe gewordene Mira Lobe, ihren beiden Kindern, Claudia (*1944) und Reinhardt (1947) ihr Verständnis genauso entgegenbrint, wie sie ein wenig erziehen will, man denke an die Szene mit den beiden von Bello zerrissenen Ringelsocken. 

 

Ich, Kathrin und mein Papa haben es diesen Freitag, 28. Feber 2014, fertiggelesen. 

 

Eine der vielen Rechtschreibübungen, die die Mutter dem kleinen Andi ansagt, möchte ich aber niemanden hier vorenthalten, geniales Wortspiel: 

 

Es sprach der Aal,

im Futteral,

der Saal ist kahl,

ein letztes Mal

grüß ich im Tal

den Pfahl aus Stahl :-)

 

Inzwischen gibt es das Buch auch als Theaterstück, ich hörte erst kürzlich das viel gelobte "Das kleine Ich bin Ich" - mir hat jedenfalls die Omama genauso wie das völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werk aus 1969 "Maxi will nicht schlafen gehen", ein augenzwinkerndes Werk, das Kinder darauf hinweist, wie wichtig es ist, zu schlafen, viel beser gefallen.

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In den 1960ern warb man so für österreichische WC-Papier-Rollen
Werbe-Kuriositäten aller Art